A bissl Zynismus gefällig?
Wieder einmal ein grandioser Auftritt von FPÖ-Parteichef Strache in der ORF-”Pressestunde”, wo er die Gelegenheit ergriff, für eine tapfere Gesinnungsgenossin Partei zu ergreifen: Eva Herman. Die hatte unlängst über die NS-Familienpolitik und über die “Wertschätzung” der Mutter geschwärmt.
Strache halte die Reaktionen auf Herman “wieder einmal für typisch”, so auf ORF-Online zu lesen.
Noch dazu meinte er:
”Wahrscheinlich muss man heute hergehen und sagen: Alles was damals in dieser Zeit vorhanden war, war katastrophal: Der Erste Mai, die Kirchensteuer, VW-Produktion, Autobahnbauten, das war alles entsetzlich.”
Auf die Nachfrage, ob diese Aufzählung nun “das Gute am Nationalsozialismus darstellen solle”, konterte Strache: “Ich habe nur zynisch festhalten, was alles schlecht war”
Zeit, die Liste des Zynismus zu verlängern: Adolf Hitler, Eva Braun, Josef Goebbels, Konzentrationslager, Mauthausen, Mengele, Gross, Göring, Reichtskristallnacht, Pogrome, Transportzüge, Zwangsarbeiter, Zwangssterilisierung, Arisierung, Nürnberger Gesetze, Entferung von Homosexuellen, Kommunisten, Sozialisten, Behinderten und “Asozialen”, Vierteljude, Halbjude, Volljude, Gas, Ariernachweis, entartete Kunst, 1 Million ausländischer Zwangsarbeiter in Österreich, Hitlerjugend, SA, SS, 6 Millionen Juden tot, 60 Millionen Kriegstote.
Alles nur Zynismus!
Beim Geschichtsunterreicht scheint Strache offensichtlich praktisch nie anwesend gewesen zu sein:
Hätte Herman das gesagt, “dann hätte man ihr auch nichts gemacht. Sie hat halt festgehalten, dass die Familie damals eine Wertigkeit hatte, das aber nicht auf das System ausgelegt, sondern auf die Zeit.” Er selbst würde ihre Aussage jedoch nicht unterschreiben.
Ja, alles nur Lüge dieser unverbesserlichen linkslinken Historiker, die ohne Fakten und Grundlage behaupten, dass jede einzelne politische Frage im Sinne des Systems gelöst wurde. Alles nur Lüge, dass die Frauen rein zum Soldatenerzeugen gepflegt und gehegt wurden. Alles nur Zynismus.
Diese außerordentliche Form von Zynismus teilen auch viele Österreicher, denn laut einigen Umfragen gibt es einen beträchtlichen Teil, die denken, der “Nationalsozialismus” habe auch etwas gutes gehabt.
Jene haben den Idiotentest nicht bestanden. Halt! Ist doch nur zynisch gemeint! ![]()
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Aja, Haze spielt weiter Verstecken, Gotcha ist ihm wohl zu fad. Dieses “Ja, aber…” ist quasi seine Hintertür, durch die er sich jedesmal rauswindet wenns ans Eingemachte geht und er klare Worte zum NS finden soll. Ich frag mich nur, ob ihm seine Wikinger davonrennen, wenn er dazu mal eine Frage gestellt kriegt, die er nicht mehr so schwammig beantworten kann.
Ich verstehe das hier vorgebrachte Argument nicht (auch nicht im Falle der WDR Moderatorin).
Ist das als ideologische Aussage gemeint, daß in Naziland NICHTS, aber auch gar nichts gut gewesen sein kann? Meines Wissens wurden in dieser Zeit neben den erwähnten Beispielen auch einige mechanisch sehr innovative Maschinen zur Serienfertigung gebaut. Diese Entwicklungen/Erfindungen haben einiges zum Reichtum unserer heutigen Kultur beigetragen. Daher sind IMO diese Dinge ein ganz tolles Produkt des Nationalsozialismus.
Ich behaupte dabei definitiv nicht, daß die Existenz dieser Maschinen oder der damaligen Familienpolitik die Leiden die dieses Regime verursacht hat auch nur teilweise wieder aufwiegen.
Es gab IMO an jedem Ort und zu jeder Zeit sicherlich gute und schlechte Dinge. Diese Aufzurechnen und zu behaupten, es hätte zu einer Zeit gar nichts gutes (oder schlechtes) gegeben kann eigentlich nicht richtig sein.
Diese Dinge sind allerdings kein Produkt des Nationalsozialismus, sondern wurden eben während dieser Zeit in Deutschland erfunden.
Im großen und ganzen hat der Nationalsozialismus schon aufgrund ideologischer und struktureller Voraussetzungen wesentlich mehr verhindert als ermöglicht bzw. sind viele seiner “Errungenschaften” im positiven (Autobahn, wirtschaftl. Konsolidierung) wie negativen (Aufrüstung der Reichswehr, zB., oder Euthanasie und Sterilisierung Behinderter - wurde in den Zwanzigerjahren auch in linken Kreisen ernsthaft erwogen) Sinn bereits der vorangegangenen Periode der Weimarer Republik bzw. in Österreich der ersten Republik und dem Ständestaat zuzurechnen.
Vieles vom oben in der Liste von Relator zynisch Angeführten ist wiederum nicht genuin nationalsozialistisch, schon gar nicht die Familienpolitik. Das meines Wissens erste historische Äquivalent zum “Mutterkreuz” stellen die Ehegesetze des Octavian dar (”Ius trium liberorum” - mehr Rechte für Eltern von drei oder mehr Kindern). Interessantes Beispiel von jenseits des Großen Teiches: Die Azteken kannten zwei Formen des Heldentodes - in der Schlacht oder im Kindbett.