Nationalsozialismus war eine Religion

Atheistenfreunde kennen es: Immer wieder wird man darauf aufmerksam gemacht, dass die “religionslosen” Ideologien, wie Nationalsozialismus, Kommunismus, Faschismus deshalb so böse waren, weil sie “religionslos” waren.
Selbst der aktuelle Papst schreckt nicht davor zurück.
Darin stecken alleine schon 2 Frecheiten: Die erste Frecheit liegt darin, Geschichtsfälschung zu betreiben. Besonders der Nationalsozialismus triefte von religiösen Stereotypen: Aufmärsche, Prozessionen, Bücherverbrennungen als Feuerrituale initiert, die Religiösität der einzelnen Soldaten mit einem “Gott ist mit uns!”, eine Tradition zahlreicher Kriege der Vergangenheit, eine Heils- und Erlösungsgeschichte (1000-jähriges Reich wird kommen, Erlösungsantisemitismus)- als das sind Kennzeichnen einer eigenen Religion.
Die zweite Frecheit liegt natürlich darin, Gottlose gleich pauschal als böse Menschen zu brandmarken.

Dass der “Führer” des Grauens für viele Menschen eine Art “Messias” darstellte, beweisen zahlreiche Fanbriefe der Bevölkerung, die nun veröffentlicht worden sind:

In den Schreiben finden sich auch Messias-Vergleiche. Nach dem “Anschluss” Österreichs 1938 schickte ein Wiener Hotelportier an Hitler ein “Glaubensbekenntnis”, in dem es heißt, er glaube an Gott “und an Adolf Hitler, seinen auserwählten Sohn, den er auserkoren hat, um sein deutsches Volk von der Schlangenbrut und Otterngezücht (Juden, Pfaffen und Dynastien)” zu erlösen.

Dass noch immer Menschen fälschlicherweise behaupten, der Faschismus habe nichts mit Religion zu tun, ist bedauerlich. Viel mehr ist es bedauerlich, dass dieses Denken von der Kirche gefördert wird, um Gut und Böse zum eigenen Gunsten zu definieren Wer glaubt, soll demnach gut sein - Der Nationalsozialismus ist der beste Gegenbeweis.

Veröffentlicht in: on Januar 2, 2008 at 4:32

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4 Kommentare Leave a comment.

  1. On Januar 2, 2008 at 7:48 Tom Schaffer Said:

    darin stecken noch ein paar frechheiten mehr. die kirche und hitler hatten ebenso wie die kirche und mussolini ja durchaus gewisse… übereinkünfte bzw. berührungspunkte…

  2. On Januar 3, 2008 at 10:29 laurenzennser Said:

    nun, das verhältnis war stark ambivalent … es sind etwa überzeugte nationalsozialisten reihenweise aus der kirche ausgetreten.

    was aber eine wichtige frage wäre: warum hat das schlimmste aller verbrecherregime dort verwirklicht werden können, wo eine mehr als 1000 jahre christlich-kulturelle prägung stattgefunden hatten? oder anders: über 1000 jahre christentum haben den holocaust nicht verhindern können. das nährt die vermutung, in den kzs sei in wirklichkeit nicht das judentum, sondern das christentum vernichtet worden …

  3. On Januar 6, 2008 at 11:52 kroski.meint Said:

    @relator
    selbst der momentane atheismuspapst richard dawkins sieht das sehr ambivalent, wobei ich (als aktiver röm.-kath.christ) folgendes ergänzen will: so gut wie nie in der geschichte sind glaubenssymbole, glaubensmetaphern und inszenierungen so brilliant für die eigenen machtapparaturen eingesetzt worden, darüber könnte man stundenlang weiterreden/schreiben. auf den punkt gebracht: der faschismus hatte mit religion bzw. glaube im eigentlichen sinn nichts zu tun, im weiteren sinn (als bewusstes ausnutzen religiöser instrumente, mit dem unglaublichen resultat: “hitler war mein messias” ;) sehr wohl.

    leider hat die kirche (namentlich der vatikan) die eigene überwiegend feige geschichte während des nationalsozialismus noch lange nicht aufgearbeitet, sehr schmerzlich auch für mich.
    u.a. daniel goldhagen hat versucht, eine diskussion in gang zu bringen, die nicht wirklich genutzt wurde.

    was ich allerdings gar nicht ausstehen kann, sind verkürzte, verfälschende statements wie
    “Dass noch immer Menschen fälschlicherweise behaupten, der Faschismus habe nichts mit Religion zu tun, ist bedauerlich. Viel mehr ist es bedauerlich, dass dieses Denken von der Kirche gefördert wird, um Gut und Böse zum eigenen Gunsten zu definieren.”

    da heisst die ansage, namen, belege und relevanz für die behauptung “die kirche fördere dieses denken” auf den tisch zu legen. ich behaupte, dass sich heute, januar 2008, nichts stichhältiges auf den tisch legen lässt. ausnahmen a la meisner bestätigen nur die regel, das sind die unverbesserlichen dinosaurier einer noch belasteten generation. liberal in austria, heisst das nun verleumdung einer institution, die (in österreich) nach grossen skandalen (kardinal g., bischof k.) engagiert für glaubwürdige positionen eintritt?

    verlogen, polemisch und bewusst verfälschend finde ich im übrigen die aktuellen atheismusprediger a la dawkins. dazu habe ich mich entsprechend klar geäussert, unter anderem http://stefan888.wordpress.com/2008/01/02/atheismus-2-sieben-thesen-pro-deo-mit-richard-dawkins/

  4. On Januar 7, 2008 at 10:31 kroski.meint Said:

    ich darf zu meinem (etwas langen) statement noch hinzufügen, warum die kirche nach meiner einschätzung in österreich heute wieder glaubwürdigere positionen einnehmen kann: zumindest an der spitze der katholischen (mit Kardinal Schönborn, Bischof Küng, etc.) sowie der evangelischen Kirche (mit Bischof Bünker) sind jetzt durchaus kompetente Leute.
    Damit könnte man wieder einen etwas inhaltsreicheren, seriöseren konfrontationskurs mit den kirchen fahren, oder?

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