Pensionisten-Frust auf der Uni
So, heute wage ich mich gleich aufgrund der Aktualität an ein heikles Thema ran.
Heute stand ich extra 5 Minuten vor 7 Uhr auf, denn um 7 Uhr wurde online eine weitere Lehrveranstaltung zur Anmeldung an der Uni freigeschaltet. Ich war also eine Minute vo 7 Uhr vor dem Computer, stoppte die Uhr, und klickte genau um 7 Uhr auf Anmeldung. Was geschah? Kurzfristig stürzte das System ab. 2 Minuten später musste ich auf dem Bildschirm lesen, dass ich auf die Warteliste kam - als 5.t-gereihter. Alle 25 Plätze besetzt.
Schon jetzt weiß ich, wer mir da wieder einmal den Platz weggenommen hat. Es ist eine Gruppe, die die Unis aktuell überschwemmt, um ihre verlorene Jugend und Bildung nachzuholen. Es ist eine Gruppe, die durchaus uns Junge an der Uni vieles an Erfahrung, Wissen und Bereicherung mitgeben kann.
Aber der Spaß hört sich auf, liebe Pensionisten-Mitstudenten, wenn ihr uns, da wir um unsere Zukunft hoffen und bangen, mit eurem Spaßstudium den Platz in einer begrenzten Vorlesung wegnehmt.
Denn diese Plätze werden von einigen von euch trotz dieser Tatsache radikal gegen die besorgen Jung-Studenten verteidigt. Und auch die Professoren trauen sich gar nichts zu sagen, weil sie gar keine Handhabe haben.
In Bayern gibt es mittlerweile schon Quotenplätze für Pensionisten. Sogar ein eigenes Studium hat man eingeführt.
Bei uns ist bis jetzt nicht einmal eine Diskussion über den Konflikt an Universitäten zwischen Jung und Alt entbrannt.
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Dein Beitrag ist persönlich gut nachvollziehbar, aber es ist politisch der ganz falsche Ansatz, Jung gegen Alt auszuspielen. Wir brauchen in Wahrheit gerade in Österreich viel mehr, viel breiter angelegte Hochbildung.
Bleibt auf der Forderung der Ausweitung. Nicht abdrängen lassen vom richtigen Weg…
Ich bin ein Befürworter von breiter Hochschulbildung. Was aber nicht heißt, dass man jenen, die für ihre Karriere studieren, vielleicht auch noch sogar ein Semester deswegen wegnehmen kann.
Pensionen sollen bitteschön studieren, ich will in der Pension auch ein Studium machen, aber wenn eine Lehrveranstaltung voll ist, sollten schon die anderen Studenten bevorzugt werden.
Klingt - wie immer, wenn der Staat die Finger im Spiel hat - nach Angebotsverknappung wegen mangelnder Marktorientierung. In Nordkorea verhungern die Menschen, weil der Staat in seiner unendlichen Güte geruht, dort die Nahrungsmittelproduktion zu kontrollieren (ist ja bekanntlich viel “sozialer”, im pöhsen Kapitalismus könnten sich die “Armen” ja gar keine Lebensmittel leisten, so oder so ähnlich ist die Argumentation).
Bei uns sind es zum Glück “nur” die Studienplätze. Und wieder heißt es, dass die Studienplätze angeblich vom Staat bereitsgestellt werden müssten, weil sich Armen sie sonst nicht leisten könnten. Und das Ergebnis der staatlichen Intervention? Verteilungskämpfe zwischen den betroffenen Bürgern.
Breite Hochschulbildung ist gut - richtig! Alt gegen Jung soll man nicht ausspielen - auch richtig! Trotz alldem dürfte es nicht passieren, dass auch nur ein Pensionist einem jungen Studenten den Platz versitzt. Erstere studieren nämlich nur aus Zeitvertreib, zweitere für ihre (und unsere) Zukunft.
Die Allgemeinheit kann auch kein Interesse daran haben, für die Erzeugung akademischer Drohnen das Hochschulangebot unbegrenzt auszubauen…
versteh sehr wohl deinen Ärger. Den für die ist es nur Zeitvertreib, bei uns allerdings ein Grundstein für die Zukunft.
Am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Göttingen wurden heute Mittag die Kursanmeldungen freigeschaltet. Es dauerte keine 5 Minuten und die beiden Hauptseminare waren komplett ausgebucht, wobei das bei uns eher nicht auf die Pensionisten zurückzuführen ist!
Und das Ergebnis der staatlichen Intervention? Verteilungskämpfe zwischen den betroffenen Bürgern.
Was ich nicht darauf zurückführe, dass es staatliche Interventionen sind, sondern die falschen, staatlichen Interventionen. Das was in den letzten 7-8 Jahren im Hochschulbereich passiert ist war neben Demokratieabbau alles andere als Verbreiterung. Natürlich, unendlich verbreitern sollte man wiederum auch nicht, kann man auch nicht, da muß jemand der im Alter ein Studium anfängt gegebenenfalls in eine Privatuni investieren. Andererseits sollte Bildung für die (junge) Allgemeinheit nicht in er Hauptsache auf Profitabilität ausgelegt sein, ebensowenig wie auch allgemeine, medizinische Versorgung. Man kann sie finanziell optimieren, in dem man zB. Strukturen vereinfacht und zusammenlegt und dergleichen, nicht durch künstliche Gebühren oder Service/Angebotsürzung, das ist mMn der falsche Weg. Der Staat hat es falsch gemacht, hat aber auch die Mittel und Pflicht es richtig zu tun.
Und gerade weil das Hauptziel bei Bildungsinstitutionen nicht der Gewinn, sondern ein chancengleiches Leistungsangebot sein sollte, kann man diese nicht privatisieren, sondern muss sie an den Staat angebunden lassen. Theoretisch sollte das, was an ausgebildetem Personal zurückkommt die Bildungsunkosten mit Steuern und sonstigen Leistungen gegenfinanzieren können, gerade deshalb ist auch den Jungen im Zweifelsfall der Vorzug zu geben. Seniorenstudenten profitieren zwar persönlich und geben das Wissen auch weiter, erbringen aber kein Mehr an Steuerleistung.
@Georg Pichler: warum soll das Ziel von Bildungsunternehmen (statt -institutionen) nicht der Gewinn sein? Es ist wohl unbestritten, dass die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln wichtiger ist als der Betrieb einer Hochschule. Dennoch - die Lebensmittelproduktion und -verteilung in sämtlichen entwickelten Staaten ist rein privat organisiert. Selbstverständlich arbeiten Billa und Co mit dem Ziel, Profit zu machen. Und dennoch muss hierzulande niemand verhungern. Seltsam. Aber in dem staatlich organisierten Hochschulwesen, dass ach so sozial ist und angeblich Chancengleichheit bietet und wie die Phrasen noch alle lauten, muss man sich um die Ausbildungsplätze prügeln.
Anmeldung für Hauptseminare nach 5 Minuten komplett ausgebucht
Heute Mittag wurden die Anmeldungen für die Lehrveranstaltungen für das Sommersemester 2008 am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Uni Göttingen eröffnet. Zwei Hauptseminare, zwei Proseminare und ein Start-Up-Sem…
Das alte Problem der physischen Auslastung eines Universitätsgebäudes bzw. von Hörsälen.
In der heutigen Zeit ist das bei den meisten Studiengängen doch gar nicht mehr notwendig. An der Uni von London kann man beispielsweise die meisten gängigen Studienrichtungen im Fernstudium absolvieren. Die Athabasca University in Alberta (Kanada) bietet ein breites Spektrum an Disziplinen an, die ganz bequem im Fern- bzw. Onlinestudium absolviert werden können.
Da gibt es keine Beschränkungen hinsichtlich der Teilnehmerzahl und so.
Da kann ich nur sagen: Auf, Österreich, auf ins 21. Jahrhundert!
(Eigentlich könnte ich sogar “19. Jhdt.” sagen, denn die Uni London bietet diese Fernstudiumsmöglichkeit bereits seit dem 19. Jahrhundert erfolgreich an).
Alt gegen Jung
Ein liberaler Blogger in Österreich beschwert sich über Pensionisten, die ihm den Platz in Lehrveranstaltungen an der Uni streitig machen: Aber der Spaß hört sich auf, liebe Pensionisten-Mitstudenten, wenn ihr uns, da wir um unsere Zukunft hoffen u…