Der lästige Jude
Noch immer leidend an den Nachwirkungen einer fürchterlichen Grippe, bin ich dennoch in der Lage, einige Worte über die internationalen Ereignisse der ersten Märztage 2008 zu schreiben. Immerhin habe ich doch trotz diverser Fieberschübe die Perversion der psychosoziologischen typologisierten Reflexe rund um die Nahost-Ereignisse ertragen müssen. Es hätte keine Grippe gebraucht, um massenhaft Brechreiz bei mir zu erzeugen.
Der Antisemitismus schläft nicht. Er lebt weiter, aber völlig anders, sich stets der Situation anpassend. Nur eines bleibt stets immer: Er ist und bleibt ekelerregend, primitiv und abartig.
Der propagandaliebende Europäer
Es ist schon grandios, dass bei diesem weiten geographischen Abstand eine Terrororganisation wie die Hamas ausgerechnet in Europa die größten Erfolge mit ihrer Propaganda erzielt.
Das Prinzip ist simpel: Man setzt Israel unter Dauerbeschuss (permanenter Raketenbeschuss auf israelische Wohnsiedlungen), man wartet, bis Israel reagiert, schaut darauf, dass möglichst viele Menschen, besonders Kleinkinder als Schutzschilder in der Nähe von Hamas-Einrichtungen zusammengezogen werden, wartet, bis das erste Kind tot ist, und schon kann man sich auf einen herzergreifenden Aufschrei Europas freuen.
Dazu liefert man noch grausige Bildchen, indem das tote Kind in einer Hamas-Fahne beerdigt wird, die europäischen Sendeanstalten bringen das schön ohne Kommentar, und schon kann der Mitteleuropäer daheim sich über dieses verdammte Israel auslassen.
Was erlaubt sich dieses Israel schließlich eigentlich? Warum verteidigt sich dieses Land? Woher hat es das Recht, sich nicht zerbomben zu lassen? Diese paar Raketchen sind doch gar nicht so schlimm, nicht? Da muss man doch nicht gleich zurückschießen!
Der lästige Jude
Ist es der Suizidpazifismus - meine geschaffene Wortkreation für jene Herrschaften, die jeden militärischen Einsatz, selbst bei Selbstverteidigung oder Verhinderung eines Genozids ablehnen - der diese wahnsinnigen Meinungen erzeugt?
Nein. Denn im Grunde genommen ist diesr Terminus zu kurz gegriffen. Es ist in der Tat ein radikalpazifistischer Antisemitismus in einer unglaublich verbreiteten Größenordnung. Völlig weltfremd erlauben sich einige Europäer, über die lebensgefährliche Situation in Israel zu urteilen. Nicht verteidigen darf es sich. Nicht zurückschießen. Nicht wehren. Das wären die 3 großen “Don’ts”, über die selbsternannte Nahost-Experten in Europa breit gesellschaftlich schwärmen.
Hier fallen mir mehrere Situationen ein, die ich in den letzten Monaten erlebte, in Gesprächen mit Bekannten. Und das im Kreise der Universität. Da kommt man manchmal in Vorlesung in Kontakt mit “jüdischen” Themen. Und immer wieder finden sich Personen, die über die “Lästigkeit” der Juden schimpfen. Das mit den Juden sei einfach lästig. Immer würden sie über ihre Geschichte jammern (Warum soll man auch über die Abermillionen getöteten Juden auch jammern. Gibt doch schlimmeres!), und der Nahost-Konflikt sei sowieso ermüdend immer wieder in den Medien.
Kurzum: Am liebsten wäre es manchen, von Israel nichts zu hören. Die moralische Verantwortung gegenüber den Juden ist nicht jeder bereit zu tragen - und deshalb wäre es in Augen mancher praktisch, Israel würde gar nicht existieren, weil die eben so “lästig” sind. Insgeheim scheinen sie nun einmal heimliche Fans der Hamas zu sein, denn diese setzen die europäisch-verrückten geheimen Wünsche in die Praxis um.
Da kann noch so die Hamas Terrorakte in Talmud-Schulen verüben: Der Aufschrei erfolgt erst, wenn Israel sich wehrt.
Und das hat seinen Grund. Es wäre schön, wenn die Angesprochenen ehrlich wären. Aber selbst dazu sind sie zu feige.
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[...] Verfasst von califax am Sonntag, 9. März 2008 Heute: Suizidpazifismus. [...]