Die Zug-Revolution

Heute wurde ich Zeuge eines historischen Ereignisses, einer Zug-Revolution. Salzburg hat die Ehre, als ÖBB-Pilotprojektort dienen zu dürfen. So durfte ich glatt ein Abteil genießen, das nicht nur rauchfrei, sondern auch Handy-frei und MP3-frei war, quasi: Das Zugparadies auf Erden.

Im Grunde traurig genug, dass die Gesellschaft selbst im Alltag über kleinliche Regeln stabilisiert werden muss. Liberalismus, und das ist schmerzhaft, ist dann eine Illusion, wenn die Menschen eigentlich Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen zeigen müssten. Tragend dafür sind die Phänomene einer gewissen Sorglosigkeit und Ich-Bezogenheit.

Die Handy-Causa: Keiner hat etwas dagegen, dass jemand Telefonate erledigt. Peinlich wird es allerdings, wenn man diese schreiend tätigt, voller Stolz private Details hinausposaunt (”Die letzte Nacht war so schön!”), und man 2 Stunden nichts anderes macht als perverse Klingeltöne zu präsentieren.
Das Handy ist nicht nur Kommunikationsmittel, sondern auch ein Medium für Selbstdarsteller und Wichtigtuer. Der eigentliche vernünftige Zweck wird vernichtet, manche arme Menschen können ihr Selbstwertgefühl nur mehr über das Handy definieren.
Fazit: Solche Art von Telefonierer, die meiner Meinung nach durchaus partiell psychologischer Betreuung bedürften, kann ein normaler Mensch nicht ertragen. Und deshalb ist es gut, dass diese aus einzelnen Abteils verbannt werden.

Die MP3-Causa: Für mich als Pendler das größte Ärgernis. MP3-Player kann man mit Kopfhörer kaufen, nur viele wollen diese offenbar nicht benutzen. Stattdessen muss man allen Zugpassagieren mitteilen, welchen Musikgeschmack man hören will. Lustig ist das nicht, wenn das ganze Abteil mit “Im a barby girl” oder mit DJ Ötzi beschallt wird. Und wenn man dann zufälligerweise 2 Stunden mit der gleichen Person fährt, steigt man traumatisiert und entnervt aus.
Den psychologischen Grund für diese Vorfälle konnte ich noch nicht eurieren, vielleicht liegen die Dinge ähnlich so wie bei den Handy-Terroristen.
Fazit: Auch gegen MP3-DJ’s musste etwas getan werden.

Da nun einmal die Erfahrung zeigt, dass die angesprochenen Personen oftmals nicht zur Konversation fähig oder bereit waren, kurzum, sich als beratungsresistent darstellten, ist es nur völlig richtig, seitens der ÖBB keine Gnade mehr gegenüber unverbesserlichen Medienexibitionisten zu zeigen.

Kaum zu glauben, aber wahr: Danke, danke, danke, ÖBB!!!

Veröffentlicht in: on März 27, 2008 at 6:24 Kommentare (12)