Austria? Land of Horror? Gedanken zum Inzestfall
Zuerst das “Bombenhirn”, dann der Kampusch-Priklopil, dann der Inzest-Franz: Alle drei lebten in Österreich, alle drei lebten ihre perversen Fantasien aus, und alle drei sorgten für Entsetzen in der Weltöffentlichkeit. Alle waren auf irgendeine Weise hochbegabt, aber von Wahnsinn erfüllt. Franz Fuchs, der Bomben bastelte und laut IQ-Tests einen IQ von 160 auswies, und die besten Profiler zum Narren hielt, Wolfgang Priklopil, der 8 Jahre lang ein Mädchen gefangen hielt und jetzt also der “Inzest-Franz”, der als ich zitiere einen Augenzeugenbericht “grenzgenialer Elektrotechniker”, der 24 Jahre seine Tochter einsperrte, vergewaltigte, und 7 Kinder mit ihr zeugte.
Es gehört zum Wesen den besonders Bösen, dass die Täter nicht gerade “unintelligent” sind - Geht auch nicht anders, will man jahrelang das Netz aus Lügen und Verstecken aufrechterhalten.
Das ist schon mal eine Grundinformation, die für viele unerträglich ist. Intelligente Menschen würden so etwas nicht machen - Falsch. Intelligenz und Wahnsinn schließen sich nicht aus, sie sind die perfekte Kombination des Bösen.
Der zweite Fehler ist die Entmenschlichung der Täter. “Pro Sieben Austria” spricht nur mehr von der Bestie von Amstetten. Sager wie “Das kann ein Mensch nicht machen!” treiben Psychologen berechtigterweise zur Weisglut. Denn ein Mensch ist sehr wohl in der Lage, grauenvolles zu vollbringen. Nur die Gesellschaft kann und will es nicht wahrhaben, und will sich mit fragwürdigen Titulierungen aus der Affäre ziehen.
Zum Haare raufen ist die Suche nach Schuld: Gewiss gibt es in vielen Kriminalfällen behördliche Mängel. Mittlerweile wird automatisch nach jeder größeren Angelegenheit nach Schuld bei den Behörden gesucht. Das hat den Zweck, die Eigenverantwortung abzuladen und einen Sündenbock zu erurieren. Genau jene, die “es eh schon immer gewusst haben, dass der Franz ein komischer war …”, sind da immer ganz besonders eifrig bei der Schuldsuche.
Der Gipfel bis dato sind aber die internationalen Medienberichte: Österreich ist nun nicht mehr das Land des Mozarts, der Musik und der Fiaker, sondern das Land der Perversen, der Pädophilen und des Inzest-Franz.
Das haben viele noch gar nicht begriffen, was auf Österreich in den nächsten Jahren zukommen wird. Belgien kann ein Liedchen davon singen, ein jahrelanger Imageschaden durch einen einzelnen Irren, für den Rest-Belgien nichts konnte. Die EU-Sanktionen war gar nichts im Gegensatz zum aktuellen Fall - Austria? Land of horror?
Einige Beispiele gefällig:
EL Pais (Madrid)
Perversion oder Krankheit… Schon wieder in Österreich. Wieder erreichen uns aus Österreich Nachrichten, die uns umwerfen. So wie die Entführung von Natascha Kampusch. (…) Wieder kam das aus Österreich, der Heimat von Freud, dem Geistesriesen, der uns die im Unbewussten schlummernde Sexualität erweckte.Jutarnji list (Zagreb)
Die österreichischen Politiker sind schockiert. Oder sind sie verantwortlich? In Österreich zeigen die Politiker gerne, wie erschüttert sie sind. Sie haben dabei keine Angst, dass sie vielleicht zur Verantwortung gezogen werden könnten.Vecer (Maribor)
Ist auch in Österreich die Familie in jedem Fall so heilig und unantastbar, obwohl doch alle Indizien darauf hinweisen, dass in ihr etwas passiert ist, was bisher unvorstellbar war?”
Delo (Laibach)
Österreich wird sich fragen müssen, was einige in seiner reichen, selbstbewussten Gesellschaft dazu verleitet, derart kranke Fantasien zu verwirklichen, wie das Einsperren einer Geliebten allein und für immer in einem dunklen Keller.
Jetzt wird man also nicht mehr auf Haider, Nazis oder auf den schlechten Fußball im Ausland angesprochen werden. Man kann sich schon darauf freuen.
Die Stigmatisierung eines Landes aufgrund eines Falles ist natürlich eine bodenlose Unverschämtheit, zeigt aber das intellektuelle Niveau, auf das sich die Öffentlichkeit befindet.
Was aber besonders in Österreich auffällt, ist die Angst vor dem Ansprechen, vor dem Hinterfragen. Das “Vernaderer”-Phänomen ist in Österreich im Gegensatz zu anderen ähnlich kleinen Ländern sehr ausgeprägt.
Das wäre der einzige Kritikpunkt - Österreich ist aber genau so wenig ein Perverso-Land wie Deutschland, Frankreich oder Belgien. Aber normale Berichterstattung - Das kann man sich in der heutigen Zeit nun einmal nicht erwarten.