Austria? Land of Horror? Gedanken zum Inzestfall

Zuerst das “Bombenhirn”, dann der Kampusch-Priklopil, dann der Inzest-Franz: Alle drei lebten in Österreich, alle drei lebten ihre perversen Fantasien aus, und alle drei sorgten für Entsetzen in der Weltöffentlichkeit. Alle waren auf irgendeine Weise hochbegabt, aber von Wahnsinn erfüllt. Franz Fuchs, der Bomben bastelte und laut IQ-Tests einen IQ von 160 auswies, und die besten Profiler zum Narren hielt, Wolfgang Priklopil, der 8 Jahre lang ein Mädchen gefangen hielt und jetzt also der “Inzest-Franz”, der als ich zitiere einen Augenzeugenbericht “grenzgenialer Elektrotechniker”, der 24 Jahre seine Tochter einsperrte, vergewaltigte, und 7 Kinder mit ihr zeugte.
Es gehört zum Wesen den besonders Bösen, dass die Täter nicht gerade “unintelligent” sind - Geht auch nicht anders, will man jahrelang das Netz aus Lügen und Verstecken aufrechterhalten.
Das ist schon mal eine Grundinformation, die für viele unerträglich ist. Intelligente Menschen würden so etwas nicht machen - Falsch. Intelligenz und Wahnsinn schließen sich nicht aus, sie sind die perfekte Kombination des Bösen.
Der zweite Fehler ist die Entmenschlichung der Täter. “Pro Sieben Austria” spricht nur mehr von der Bestie von Amstetten. Sager wie “Das kann ein Mensch nicht machen!” treiben Psychologen berechtigterweise zur Weisglut. Denn ein Mensch ist sehr wohl in der Lage, grauenvolles zu vollbringen. Nur die Gesellschaft kann und will es nicht wahrhaben, und will sich mit fragwürdigen Titulierungen aus der Affäre ziehen.

Zum Haare raufen ist die Suche nach Schuld: Gewiss gibt es in vielen Kriminalfällen behördliche Mängel. Mittlerweile wird automatisch nach jeder größeren Angelegenheit nach Schuld bei den Behörden gesucht. Das hat den Zweck, die Eigenverantwortung abzuladen und einen Sündenbock zu erurieren. Genau jene, die “es eh schon immer gewusst haben, dass der Franz ein komischer war …”, sind da immer ganz besonders eifrig bei der Schuldsuche.

Der Gipfel bis dato sind aber die internationalen Medienberichte: Österreich ist nun nicht mehr das Land des Mozarts, der Musik und der Fiaker, sondern das Land der Perversen, der Pädophilen und des Inzest-Franz.
Das haben viele noch gar nicht begriffen, was auf Österreich in den nächsten Jahren zukommen wird. Belgien kann ein Liedchen davon singen, ein jahrelanger Imageschaden durch einen einzelnen Irren, für den Rest-Belgien nichts konnte. Die EU-Sanktionen war gar nichts im Gegensatz zum aktuellen Fall - Austria? Land of horror?

Einige Beispiele gefällig:

EL Pais (Madrid)
Perversion oder Krankheit… Schon wieder in Österreich. Wieder erreichen uns aus Österreich Nachrichten, die uns umwerfen. So wie die Entführung von Natascha Kampusch. (…) Wieder kam das aus Österreich, der Heimat von Freud, dem Geistesriesen, der uns die im Unbewussten schlummernde Sexualität erweckte.

Jutarnji list (Zagreb)
Die österreichischen Politiker sind schockiert. Oder sind sie verantwortlich? In Österreich zeigen die Politiker gerne, wie erschüttert sie sind. Sie haben dabei keine Angst, dass sie vielleicht zur Verantwortung gezogen werden könnten.

Vecer (Maribor)
Ist auch in Österreich die Familie in jedem Fall so heilig und unantastbar, obwohl doch alle Indizien darauf hinweisen, dass in ihr etwas passiert ist, was bisher unvorstellbar war?”

Delo (Laibach)
Österreich wird sich fragen müssen, was einige in seiner reichen, selbstbewussten Gesellschaft dazu verleitet, derart kranke Fantasien zu verwirklichen, wie das Einsperren einer Geliebten allein und für immer in einem dunklen Keller.

Jetzt wird man also nicht mehr auf Haider, Nazis oder auf den schlechten Fußball im Ausland angesprochen werden. Man kann sich schon darauf freuen.

Die Stigmatisierung eines Landes aufgrund eines Falles ist natürlich eine bodenlose Unverschämtheit, zeigt aber das intellektuelle Niveau, auf das sich die Öffentlichkeit befindet.
Was aber besonders in Österreich auffällt, ist die Angst vor dem Ansprechen, vor dem Hinterfragen. Das “Vernaderer”-Phänomen ist in Österreich im Gegensatz zu anderen ähnlich kleinen Ländern sehr ausgeprägt.
Das wäre der einzige Kritikpunkt - Österreich ist aber genau so wenig ein Perverso-Land wie Deutschland, Frankreich oder Belgien. Aber normale Berichterstattung - Das kann man sich in der heutigen Zeit nun einmal nicht erwarten.

Veröffentlicht in: on April 29, 2008 at 12:34 Kommentare (8)

ORF-Sportjournalismus im Rapid-Himmel

Montags, im Fernsehsender “DSF”: Der Reporter leitet ein Interview nach einem Fußballspiel mit den Worten “Unter uns Journalisten ist es verpönt, zu fragen, wie sich ein Spieler fühlt” ein.

Da bekommt man als ORF-geschädigter Österreich schon einen Lachkrampf. Denn Oliver Polzer, Pariasek und Co. haben da ganz ein anderes Bewusstsein für Berufsethik, abgesehen von ihrer Lieblingsfrage: “Wie fühlen Sie sich?”. Die Fußballabteilung des ORF’s ist ein einzigartiges Beispiel für miesen Journalismus, unobjektiv noch dazu. Ein Skandal wäre es, wenn ein Delling oder ein Netzer orgasmusartige Zustände bei einem Sieg eines Vereins bekommen würden.
Pariasek und Co. schämen sich nicht, sich als Qualitätsjournalisten zu sehen, gleichzeitig aber eindeutig zu zeigen, welcher Verein der einzig wahre Verein in Österreich und sowieso auf der Welt ist.

Egal, welch Fan man ist, die jahrelange Subjektivität der ORF-Moderatoren ist ein Skandal, und noch ärgerlicher ist es, dass dieser Unfug ohne große Aufregung in der ORF-Führung geduldet wird.
Ein weiteres Phänomen ist orf.at. Dort ist die Sportabteilung drauf und dran, die Blödheiten ihrer Fernsehkollegen zu toppen. Im Laufe des Meisterschaftsendkampfes in der österreichischen Bundesliga hat man natürlich DEN Verein gepuscht. “Tradition gegen Kommerz”, tönte es in einem Artikel. “Die besten Fans der Welt”, tönte es im anderen Artikel:

EADS-Millionen, Pensionsversicherungsverträge für die Mitglieder, OMV-Logo auf dem Shirt - Alles natürlich kein Kommerz, aber das würde der qualitätsvolle Journalismus des ORF nicht wagen, derart kritisch mit DEM Traditionsverein umzugehen. Da ist es schon weit würdiger, auf DEN Fußballfeind schlechthin hinzuhauen, und in Rapid den Erlöser zu suchen. Die besten Fans der Welt. Wer denkt da noch an diverse Schlägereien oder immer wieder komische Vorfälle, die - hoit a bissal - ans rechte Eck erinnern?

Aber der ORF-Journalismus und der gesamte österreichische Fußball ticken anders. Selbstverständlich wurde die Rapid-Meisterfeier übertragen. Steht doch außer Frage, dass auch die Meisterfeier von Red Bull Salzburg übertragen worden wäre, hätte dieser Verein den Meistertitel noch errungen. Apropo: Wie fühlen Sie sich?

Veröffentlicht in: on April 28, 2008 at 9:35 Kommentare (3)

“Waterboarding” - Wenn der Hinweis auf Folter selbst zur Folter wird

Amnesty international ist eine wichtige Organisation. Unrecht muss beobachtet werden. Unrecht muss beachtet werden. Unrecht muss beschrieben, analysiert und bewertet werden. Dies sind nur wenige Aufgaben dieser eigentlich ehrenwerten Organisation. Aber auch Organisationen können ideologisiert werden, auf einer Welle des Mainstreams mitschwimmen, gerade wenn sie populistische Zustimmungen gewinnen wollen.

AI weist gerne auf die Folterstaaten dieser Welt hin. Doch hat diese Organisation schon lange gemerkt, dass ein allgemeiner Hinweis nicht zieht. Schon gar nicht ziehen in Europa Berichte über Folter in China, außer, wenn es die Tibeter betrifft, weil der Dalai Lama so lieb lächelt. Andere gebeutelte Minderheiten in China sind nicht von Interesse. AI braucht auch gar nicht über die vielen vergewaltigten tschetschenischen Frauen berichten, über die die russischen Soldaten hergefallen sind. Im Gegensatz zu den USA, wo derartiges Verhalten sofort bestraft werden würde, haben die russischen Soldaten in Tschetschenien Narrenfreiheit.
Ebenso würden keine Hinweise auf die Verbrechen der Taliban oder der Al Kaida der Renner sein. Dass die Taliban ihre zwölfjährigen Kinder die Köpfe von Gefangenen abschneiden lassen, als Ritual zur “Mannwerdung”, wird keine Aufmerksamkeit schüren. Dass in Saudi Arabien Menschen schon mal für Diebstahl ihre Hände verlieren können, oder dass in einigen “orientalischen” Foltergefängnissen noch die “Eisener Jungfrau” stehen soll, ist halt auch unspektakulär.
In Afrika regieren Warlords, die es lieben, das Fleisch ihrer Feinde zu verspeisen oder den Krokodilen zum Fraß vorzuwerfen. All das macht keine Aufmerksamkeit!

Daher bleibt AI gar nichts anderes übrig, um irgendetwas über DEN Hass-Staat zu bringen, ein Anti-Waterboarding-Video gegen die einzige verbliebene Supermacht der Welt.
Gewiss: Eine Schande ist es, dass diese “Verhörmethode” in Guantanamo und in Geheimgefängnissen existiert. Unentschuldbar ist es, dass Bush und Co. dies auch noch öffentlich rechtfertigen. Völlig inakzeptabel, ekelerregend, grausam.

Der Eindruck ist aber nun einmal so, dass die USA pauschal wieder einmal als “Satan” - als Mittel für den Zweck - herhalten müssen. Bei aller gerechtfertigten Kritik, die geäußert werden muss, sind die USA nicht mit Foltersystem-Staaten wie Iran, Saudi Arabien oder China zu vergleichen.
Zudem es eine psychologische Erklärung (keine Entschuldigung!) gibt: Die Vereinigten Staaten sind traumatisiert, sie wurden angegriffen, tausende Menschen am 11. September ausgelöscht, Solche Ereignisse fressen aus Angst die Seele auf, man akzeptiert Dinge, die man sonst nie akzeptieren würde. Die Zeit wird die Wunden heilen, der Anfang beginnt mit dem Ende von Bush. Diesen Eindruck hat man von anderen Staaten nicht, und das ist der große Unterschied. Die USA haben sich immer schon selbst “geheilt”.
Folter ist kein “amerikanisches” Problem, sondern ein weltweites Problem. Man darf nicht vergessen, dass es in Österreich gar nicht so lange her ist, dass Folter erlaubt war, oder das diverse Schubhäftlinge von Behörden eine “Extrabehandlung” zu spüren bekamen. Folter beginnt schon bei der Bevölkerung selbst: In Deutschland hatten viele Verständnis für jenen Polizisten, der mit Folterdrohungen die Wahrheit aus einem Pädophilen herauspressen wollte.

Dieses globale, allumfassende Problembewusstsein existiert jedoch nicht. Nur als Teil einer antinationalen Bewegung ist es in einer offensichtlich leicht überforderten Gesellschaft möglich, begeisterte Aufmerksamkeit zu erlangen, sei es früher der Hass auf alles “Jüdische”, der Hass auf alles “Französische”, oder der aktuelle Hass auf Israel oder die Vereinigten Staaten.

“Waterboarding” ist übrigens eine europäische Form der Folter. Ihr Entwicklungsstadium erreichte unter der spanischen Inquisition ihren Höhepunkt.

Veröffentlicht in: on April 25, 2008 at 1:15 Kommentare (3)

Die wandernde Kniescheibe

Im Zuge meines Abnehmprogramms (wiege nun 85 Kilo mit 1,87m Größe) lief ich gestern gemütlich durch den Wald, als plötzlich die Kniescheibe sich von mir trennen wollte. Jedenfalls wanderte die Kniescheibe während eines Schritts auf eine Wurzel von vorne bis zur Kniekehle zurück, begleitet mit einem entzückenden Knirschen.

Alleine im Wald, ohne Handy (Ich Depp!), blieb mir nichts anderes übrig, als mir die Kniescheibe durch einen gezielten Schlag wieder einzurenken, mit Sternchen vor den Augen aufzustehen und 20 Minuten durch den Wald bis zum Auto zu humpeln.

Nach einer Fahrt ins Krankenhaus, wo kein gröberer Schaden - ich habe wohl einen Knorpel aus Gummi - diagnostiziert wurde, außer des sichtbaren Blutergusses, durfte ich mit einer umständlichen Knieschiene heim.

Verständlich, dass mir heute die Lust fehlt, etwas politisches zu schreiben.

Veröffentlicht in: on April 20, 2008 at 12:17 Kommentare (6)

Und ewig grüßt der Akademikermangel

Österreichische Diskussionen gehen folgendermaßen von statten: Zuerst wird die Diskussion von Deutschland abgeschaut, weil man selbst nicht in der Lage ist, ein Problem zu begreifen. Dann wird wild und emotional parteipolitisch und ideologisiert herumdiskutiert, bis die Diskussion irgendwie in die Schublade des Nichts verschwindet. Später, nach einigen Monaten, taucht die Diskussion wieder auf und die Diskussion beginnt wieder ganz von vorne. Und ewig grüßt die österreichische Diskussion, ohne Ende, ohne Aussicht auf Verbesserung.

Momentan gehts zum 1.000.000stel Mal (ich kann mich schon an Diskussionen in meiner Hauptschulzeit vor 10 Jahren erinnern) wieder wegen der zu geringen Akademikerquote.
Schon wieder werden altbekannte Argumente aufgeführt. Und schon wieder wird der intellektuellenfeindliche Fehler begangen, punkto Bildung rein nach der Wirtschaft zu gehen und nur technisch-naturwissenschaftliche Studien fördern zu wollen, obwohl dieses Land vielseitige Denker sehr wohl benötigen würde.
Nun denn, wird auch schon wieder (wieder ist heute mein Lieblingswort!) die bildungsfeindliche Mentalität in der Gesellschaft Österreichs außen vor gelassen, die mich selbst schon in den Wahnsinn treibt und die vieler meiner Kollegen in das studentische “Aus” gebracht hat. Diese Studentenfeindlichkeit kann man nicht nur an den horrenden Preisen (Studiengebühren, Öffis etc.) ablesen, sondern auch von den Aussagen von Nicht-Studenten, die nur wie die alten Griechen körperliche Arbeit als richtige Arbeit ansehen, und die Studenten als einen Seitenzweig der Sozialschmarotzer empfinden. Wir würden nur auf die faule Haut liegen, sinnlos in Büchern stöbern, der Wirtschaft nichts sinnvolles liefern, und die braven Steuerzahler belasten.

Aber sie haben ja recht. Ich bin auch ein ganz Fauler. Täglich unter der Woche um 6 Uhr früh aufstehen, ab 6:30 lernen, dann 9 Uhr Vorlesung, am ganzen Tag auf der Uni bis 18 Uhr abends, dann bis 22 Uhr Hausaufgaben, lernen, oder Bachelorarbeit schreiben.
Wie kann ich es mir dann bei dieser sozialen Hängematte erlauben, schon nach der Hälfte des Sommersemesters fix und fertig zu sein?
Spätestens wenn ich in 6 Jahren meinen Doktor habe, werden die Gleichen, die mich als Student verunglimpft haben, (so ist das in Österreich …) vor mir buchstäblich einen Kniefall vollziehen. Und verdammt noch einmal, ich werde es bestimmt genießen. ;-)

Veröffentlicht in: on April 15, 2008 at 6:50 Kommentare (1)

Grüner Anti-Antiamerikanismus

Ein bemerkenswerter Artikel ist heute auf der Webseite der “Sueddeutschen” zu bestaunen. Der Gründer des Washingtoner Ortsverbands der Grünen Deutschland, Arne Jungjohann, tritt offen und aktiv gegen Antiamerikanismus ein. Da werden aber einige Grüne daheim schockiert revoltieren.

Die besten Aussagen:

sueddeutsche.de: In Ihrem Gründungsaufruf heißt es auch, Sie wollen “Perspektiven jenseits deutscher Nabelschau“ in die Politik ihrer Partei einbringen, etwa zu Fragen der Globalisierung. Blicken die Grünen bisher zu wenig über den Tellerrand hinaus?

Jungjohann: Ich glaube, dass die Grünen im Vergleich zu anderen Parteien immer noch relativ offen, international orientiert und auch an neuen Ideen interessiert sind. Das kann man aber noch verbessern. Das gilt übrigens auch für das Image der Vereinigten Staaten in Deutschland. Die USA werden oft sehr undifferenziert und verzerrt dargestellt. Es gibt einen latenten Antiamerikanismus.

sueddeutsche.de: Wo hört aus Ihrer Sicht berechtigte Kritik an den USA auf und wo fängt Antiamerikanismus an?

Jungjohann: Kritik ist in vielen Fragen gerechtfertigt, zum Beispiel im Hinblick auf die Außenpolitik von Präsident Bush. Die USA werden aber häufig auf die Rolle eines ignoranten und machthungrigen Hegemon reduziert. Wenn man hier lebt, entdeckt man sehr schnell die Vielfalt und Dynamik im Land. Es gibt hier einfach sehr viele positive und progressive Entwicklungen in der Gesellschaft.



» Auch in Debatten der Grünen klingt manchmal ein latenter Antiamerikanismus an. «

Arne Jungjohann

sueddeutsche.de: Was meinen Sie genau?

Jungjohann: Zum Beispiel sind historisch bedingt die Erwartungen an den Staat in den Vereinigten Staaten geringer als in Deutschland.

Deshalb hat sich eine bemerkenswerte Kultur des “sich Einmischens”, des persönlichen Engagements für die Gemeinschaft und das Allgemeinwohl etabliert. Auch von progressiven Unternehmensphilosophien könnte Deutschland profitieren. So etwas findet aber noch zu wenig Aufmerksamkeit.

Wann wird es so einen Politiker bei den Grünen Österreich geben? Der Grüne Efgani Dönmez scheint auf alle Fälle ein Riesentalent zu sein, indem er unangenehme Dinge anspricht, ohne jedoch zu pauschalisieren und zu fern der Parteilinie zu sein. Ein weltoffener, realistischer und intelligenter Mann, der keine Scheuklappen besitzt. Für Tom Schaffer jedoch schon genug, die Wahlreife der Grünen anzuzweifeln. Völlig unbegründet, wie ich finde. So ein Mann wäre für mich eher ein Grund, bei den Grünen einzutreten.

Veröffentlicht in: on April 12, 2008 at 12:03 Kommentare (2)

Charlton Heston - Der Mann, der Michael Moore entlarvte

Als ich hörte, dass Charlton Heston tot ist, war ich aus zwei Gründen betrübt.

Erstens war ich ein großer Fan seiner Streifen “Ben Hur” und “Die 10 Gebote”. Filme, die man sich immer wieder ansehen kann, weil man ehrfürchtig die jahrzehntelange Arbeit an diesen Filmen spürt. Keine Filmmusik der Filmgeschichte kam bis heute an die pompöse Musik von “Ben Hur” heran.

Zweitens hat Charlton Heston die miesen Charakterzüge eines armseligen Gurus für besonders Verwirrte (Jene, die sich zu bequem sind, Fachliteratur zu lesen und lieber einfache Verschworungstheorien konsumieren …) unabsichtlich entlarvt, als er nämlich die Türe für Michael Moore öffnete. Michael Moore, der im vollen Bewusstsein ob Hestons Alzheimerkrankheit sich nicht davor scheute, die deutlichen Alzheimer-Symptome des alten Herren auszunutzen, tat seine schlimmste Aktion seiner Karriere. Die Lügen und Erfindungen rund um den 11. September waren zwar lustige Hokuspokus-Fantasien, doch das war eine unmenschliche, unwürdige, unmoralische Tat. Ja, Heston war der Präsident der NRA, eine für uns Europäer unverständliche Organisation. Doch derart dreist Heston unterschwellig Mitverantwortung für Massaker und für den Tod eines einzelnen Mädchens zu unterstellen, und dieses Verhalten mit Begeisterungsstürmen in Europa für Moore belohnt wurde, ist eine moralische und intellektuelle Tragödie.
Noch immer können einige nicht wahrhaben, dass in Moores Film Szenen wild herumgeschnipselt und eingefügt wurden. Hestons Aussagen wurden eindeutig aus dem Zusammenhang gerissen und absichtlich verfälscht. Selbst der liberale Kirk Douglas, der sich aktiv gegen Waffen einsetzt, schämte sich für Michael Moore. Er nannte Charlton Heston einen “Gentleman”. Und das war er auch. Wer sich für Martin Luther King einsetzte, Rassismus bekämpfte und für mehr Demokratie eintrat, hat mehr verdient als von Möchtegern-Superjournalisten veräppelt zu werden.

Deshalb: RIP und Sorry, Mr. Heston!

Veröffentlicht in: on April 8, 2008 at 7:11 Kommentare (5)

Der radikalpazifistische Zynismus

Wer kennt es nicht? Irgendwelche Möchtegern-Nahostexperten schwärmen von der Idee des Friedens, bejammern die armen Palästinenser, beschimpfen die lästigen und verbrecherischen Israelis, und wollen Israel vorschreiben, niemals, ja niemals mit Gewalt vorzugehen. Wenn Israel tagelang mit Raketen bombadiert wird - Das muss Israel doch ohne gleich zurückzuschießen akzeptieren können!
Frustrierend ist, dass solche “Meinungen” oft vom meinem (linksliberalen) Spektrum kommen, als “intellektuell” und “schick” gelten, und dazu auch noch indirekt in diversen “Qualitätsmedien” suggeriert werden. Immerhin haben diese Friedensbringer eines geschafft: Israel gehört neben Iran zu den unbeliebtesten Ländern. Na immerhin!

Ein wesentliches Kriterium ihres Irrglaubens ist es, alle Fakten zu ignorieren. Statistiken, wonach 84 % der Palästinenser den fürchterlichen Anschlag in einer israelischen Schule gut heißen, passen nicht ins Weltbild der Palästinenser-Opferthese, ja führt jedes “Verhandlungs”-Geheische in die Absurdität.

Menschen wie etwa Ferrero-Waldner verlangen von Israel mit Menschen zu verhandeln,  die größtenteils terroristische Aktivitäten auf unschuldige Zivilpersonen befürworten. Aber wunderlich ist diese Verrücktheit nicht, leben wir doch in Zeiten, wo etwa ein SPD-Vorsitzender Beck ernsthaft mit den Taliban verhandeln wollte.

Veröffentlicht in: on at 6:53 Kommentare (36)

Die verwirrten “Denker”

Wir leben in einer Welt der Informationsexplosion. Je mehr Informationen es gab, um so schwerer tat sich der Einzelne, mit ihnen umzugehen. Also schuf er Verschwörungstheorien, um sich das langweilige und schwere Nachdenken zu ersparen und sich die Welt so zu erstellen, wie es angenehm erscheint.
Die bekannteste und häufigste Verschwörungstheorie ist jene der individuellen Schuldzuweisung: Schuld sind immer die “Anderen”. Verschwörungstheorien dienen also auch zum Selbstschutz - das eigene Ego, der eigene Verstand darf nicht angekratzt werden, weil das Allgemeinbefinden ohnehin höchst labil ist. Der kleine Mann/die kleine Frau will wenigstens eines behalten: recht. Die eigene Ideologie, das eigene Weltverständnis, ein Sammelsurium aus Erfahrungen ist der einzige Halt mancher labiler Individuen. Ein Schwarz-Weiß-Denken ist die Grundlage ihres Denkens. Bücher wie von Michael Moore verschlingen sie, während sie seriöse Literatur von sich weisen. Alles zu strikt, zu offensichtlich, ihrer eigenen Ideologie widerprechend. Die Fassade ihrer gesponnen Ideologie verteidigen sie mit einem beängstigenden Fundamentalismus, weil diese im Grunde genommen das Einzige ist, was sie noch an Orientierung besitzen .

Gruslig ist, dass diese besonderen “Denker” immer wieder Fürsprecher unter Prominenten finden. Werner Schlager, Ex-Tischtennisweltmeister, will zwar keinen China-Boykott, spielt aber keine Tuniere mehr in den USA, weil er komischen Verschwörungstheorien zum 11. September nachhängt. Das Interview wurde im “Standard” geführt, tosender Applaus dutzender Leser ist nicht überraschend. Mittlerweile haben linke Verschwörungstheorien die rechten schon lange überholt in Zahl und Ernsthaftigkeit überholt.

Weltweit zählt Israel zu den unbeliebtesten Ländern. Völlig logisch, für die verwirrten “Denker”: a) Ist schon für viele die Existenz Israels eine schmerzhafte Chuzpe, und b) wagt Israel es, sich als souveräner Staat nicht von Selbstmordattentätern und Hamas-Raketen zerbomben zu lassen.

Verwirrte “Denker” gab es schon immer. Doch noch nie so zahlreich.

Veröffentlicht in: on April 4, 2008 at 3:14 Kommentare (2)