Und ewig grüßt der Akademikermangel

Österreichische Diskussionen gehen folgendermaßen von statten: Zuerst wird die Diskussion von Deutschland abgeschaut, weil man selbst nicht in der Lage ist, ein Problem zu begreifen. Dann wird wild und emotional parteipolitisch und ideologisiert herumdiskutiert, bis die Diskussion irgendwie in die Schublade des Nichts verschwindet. Später, nach einigen Monaten, taucht die Diskussion wieder auf und die Diskussion beginnt wieder ganz von vorne. Und ewig grüßt die österreichische Diskussion, ohne Ende, ohne Aussicht auf Verbesserung.

Momentan gehts zum 1.000.000stel Mal (ich kann mich schon an Diskussionen in meiner Hauptschulzeit vor 10 Jahren erinnern) wieder wegen der zu geringen Akademikerquote.
Schon wieder werden altbekannte Argumente aufgeführt. Und schon wieder wird der intellektuellenfeindliche Fehler begangen, punkto Bildung rein nach der Wirtschaft zu gehen und nur technisch-naturwissenschaftliche Studien fördern zu wollen, obwohl dieses Land vielseitige Denker sehr wohl benötigen würde.
Nun denn, wird auch schon wieder (wieder ist heute mein Lieblingswort!) die bildungsfeindliche Mentalität in der Gesellschaft Österreichs außen vor gelassen, die mich selbst schon in den Wahnsinn treibt und die vieler meiner Kollegen in das studentische “Aus” gebracht hat. Diese Studentenfeindlichkeit kann man nicht nur an den horrenden Preisen (Studiengebühren, Öffis etc.) ablesen, sondern auch von den Aussagen von Nicht-Studenten, die nur wie die alten Griechen körperliche Arbeit als richtige Arbeit ansehen, und die Studenten als einen Seitenzweig der Sozialschmarotzer empfinden. Wir würden nur auf die faule Haut liegen, sinnlos in Büchern stöbern, der Wirtschaft nichts sinnvolles liefern, und die braven Steuerzahler belasten.

Aber sie haben ja recht. Ich bin auch ein ganz Fauler. Täglich unter der Woche um 6 Uhr früh aufstehen, ab 6:30 lernen, dann 9 Uhr Vorlesung, am ganzen Tag auf der Uni bis 18 Uhr abends, dann bis 22 Uhr Hausaufgaben, lernen, oder Bachelorarbeit schreiben.
Wie kann ich es mir dann bei dieser sozialen Hängematte erlauben, schon nach der Hälfte des Sommersemesters fix und fertig zu sein?
Spätestens wenn ich in 6 Jahren meinen Doktor habe, werden die Gleichen, die mich als Student verunglimpft haben, (so ist das in Österreich …) vor mir buchstäblich einen Kniefall vollziehen. Und verdammt noch einmal, ich werde es bestimmt genießen. ;-)

Veröffentlicht in: on April 15, 2008 at 6:50

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Ein Kommentar Leave a comment.

  1. On April 15, 2008 at 10:10 gimli999 Said:

    Freu dich mal nicht zu sehr auf den Kniefall. Nach dem Studium kommt dann mal das Jobsuchen bei dem man erst so richtig draufkommt, daß die ganzen Qualifikationen, die man sich an der Uni erworben hat eigentlich ´kein klares Jobprofil ergeben.

    Wenn du dann einen Job hast, beginnst du ganz unten und weisst über das Unternehmen und deren Produkte gar nichts. Du wirst von einem Typen ohne Titel eingeschult, der unheimlich viel über die Materie weiss und der in einer Firma mit ca 50% Akademikerquote trotzdem als Guru gilt.

    Einzig in Arztpraxen wirst du dank E-Card mit dem Titel angeredet was eigentlich immer peinlich ist. Ansonsten in Gesprächen ist die Uni-Zeit zwar wichtig, aber den Titel raushängen zu lassen wäre schon sehr prollig.

    Zumindest bei mir wars so - Your mileage may vary.

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