ORF-Sportjournalismus im Rapid-Himmel

Montags, im Fernsehsender “DSF”: Der Reporter leitet ein Interview nach einem Fußballspiel mit den Worten “Unter uns Journalisten ist es verpönt, zu fragen, wie sich ein Spieler fühlt” ein.

Da bekommt man als ORF-geschädigter Österreich schon einen Lachkrampf. Denn Oliver Polzer, Pariasek und Co. haben da ganz ein anderes Bewusstsein für Berufsethik, abgesehen von ihrer Lieblingsfrage: “Wie fühlen Sie sich?”. Die Fußballabteilung des ORF’s ist ein einzigartiges Beispiel für miesen Journalismus, unobjektiv noch dazu. Ein Skandal wäre es, wenn ein Delling oder ein Netzer orgasmusartige Zustände bei einem Sieg eines Vereins bekommen würden.
Pariasek und Co. schämen sich nicht, sich als Qualitätsjournalisten zu sehen, gleichzeitig aber eindeutig zu zeigen, welcher Verein der einzig wahre Verein in Österreich und sowieso auf der Welt ist.

Egal, welch Fan man ist, die jahrelange Subjektivität der ORF-Moderatoren ist ein Skandal, und noch ärgerlicher ist es, dass dieser Unfug ohne große Aufregung in der ORF-Führung geduldet wird.
Ein weiteres Phänomen ist orf.at. Dort ist die Sportabteilung drauf und dran, die Blödheiten ihrer Fernsehkollegen zu toppen. Im Laufe des Meisterschaftsendkampfes in der österreichischen Bundesliga hat man natürlich DEN Verein gepuscht. “Tradition gegen Kommerz”, tönte es in einem Artikel. “Die besten Fans der Welt”, tönte es im anderen Artikel:

EADS-Millionen, Pensionsversicherungsverträge für die Mitglieder, OMV-Logo auf dem Shirt - Alles natürlich kein Kommerz, aber das würde der qualitätsvolle Journalismus des ORF nicht wagen, derart kritisch mit DEM Traditionsverein umzugehen. Da ist es schon weit würdiger, auf DEN Fußballfeind schlechthin hinzuhauen, und in Rapid den Erlöser zu suchen. Die besten Fans der Welt. Wer denkt da noch an diverse Schlägereien oder immer wieder komische Vorfälle, die - hoit a bissal - ans rechte Eck erinnern?

Aber der ORF-Journalismus und der gesamte österreichische Fußball ticken anders. Selbstverständlich wurde die Rapid-Meisterfeier übertragen. Steht doch außer Frage, dass auch die Meisterfeier von Red Bull Salzburg übertragen worden wäre, hätte dieser Verein den Meistertitel noch errungen. Apropo: Wie fühlen Sie sich?

Veröffentlicht in: on April 28, 2008 at 9:35

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3 Kommentare Leave a comment.

  1. On April 28, 2008 at 10:24 LAN Said:

    Dieses Jahr gibts nur eine Meisterfeier in Salzburg, find dich damit ab… ;-)

    Die Stadt hat ihren Meister - Austria Salzburg heißt er!

    Lg Andi

  2. On April 29, 2008 at 6:04 Relator Said:

    Und soll das die Subjektivität des ORF’s rechtfertigen?

  3. On April 29, 2008 at 10:06 antilenin Said:

    in dem punkt, dass die fragen, welche oesterreichische sport-reporter_innen (auf premiere ist es, soweit ich das mitbekomme, auch nicht wesentlich besser als am orf), fussballspielern, die gerade vom platz kommen, stellen, an bloedheit kaum mehr zu ueberbieten sind, gebe ich dir recht. in ca. 80% der faellen werden die ohnehin mit einem “wie” eingeleitet, auf das dann ein adjektiv wie “froh”, “gluecklich”, “erfreut”, “enttaeuscht” etc. folgt. was solche fragen journalistisch gesehen bringen sollen, versteht kein mensch, vor allem, weil die frage ohnehin ja schon so formuliert ist, dass sie ohnehin nicht grossartig von einander abweichende antworten erlauben wuerde. das gipfelt dann in interviews wie dem folgenden: http://www.youtube.com/watch?v=Uze19CQVttc

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